Bries

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Der Text ist aus dem Karpatenjahrbuch 1978 aus dem Artikel "Streifzüge durch die Geschichte der ehemals deutsche Orte im Turztal des Karpatenlandes von Georg Groß-Schmied Teil II".

Als die ersten Nachrichten über Windisch-Proben auftauchten, dehnte sich westlich davon ein mächtiger Wald aus. In zwei nebeneinander liegenden Tälern dieses Waldes entstanden im 14. Jh. zwei von deutschen Siedlern angelegte Ortschaften: Bries und Hedwig. Zum ersten Male wurde Bries i. J. 1392 erwähnt. Vorher waren in den Urkunden der Windisch-Probner Herrschaft keinerlei Eintragungen über Bries und Hedwig. Erst ein Jahrhundert später (1493) wurde eine “coloni de Bryesthe“ genannt. Nachdem die Siedlung auf dem Windisch-Probner Gebiet gegründet war, unterstand sie der Windisch-Probner Herrschaft. Alle Einwohner waren Deutsche; 1602 erwähnte man die „Germani Briestenses“. Da die Brieser die slowakischen Nachbarn gewissermaßen vor der Türe hatten, sprachen sie deren Sprache fließend wie die eigene. Vor Gericht und den Behörden des Komitats mußten sie sich sogar des Slowakischen bedienen, weshalb slowakische Historiker behaupteten, die Brieser seien nicht nur Deutsche, sondern auch Slowaken. 1594 waren in Bries sieben Gehöfte und eine freie Mühle. Das Richter(Schulzen-)amt mußten die Brieser von der Windisch-Probner Herrschaft käuflich erwerben. 1715 gab es in Bries 9 Untertanen- und 4 Kleinhäuslerfamilien. Laut einer Steuerliste aus den Jahren 1829 bis 1850 hatte Bries 18 Bauernwirtschaften, d. h. 18 Besitzer der „Gründe“(Es waren dies: 1. Andress Giereth, 2. Johann Lukatsch, 3. Andreas Grussmann, 4. Matihias Gregor, 5. Johann Switatsch, 6. Michael Babka, 7. Michael Schwetz, 6. Johann Giereth, 9. Andreas Kaltwasser, 10. Johann Giereth, 11. Andreas Holitschka, 12. Georg Benjn, 13. Andreas Junas, 14. Andreas Lazko, 15. Andreas Palesch, 16. Michael Simonides, 17. Johann Waigel, 16. Georg Simonides.). Diese 18 Gründe waren wie in allen Hauerlandgemeinden je eine wirtschaftliche Einheit, die nach dem Namen des Besitzers benannt wurde. Auf jedem „Grunde“ wohnten jedoch auch Besitzlose (Mieter, Zugezogene oder Verwandte), die aber zur Großfamilie gehörten und mitarbeiteten. In den nächsten zehn Jahren hatte sich in Bries allerdings ein Umschwung vollzogen, denn die Steuervorschriften (1860) weisen bereits 42 selbständige Bauernwirtschaften auf. Die Gemeinde besaß 90 Joch Ackerfeld und an die 10 Joch gerodeten Boden. Wohl waren z. Z. der Gegenreformation viele Menschen aus dem Herrschaftsbereich der Weinitzer Grafen - aus Gaidel (Klacno), Proben (Pravno), Schmiedshau (Tuzina), Zeche (Malinová), Nickelsdorf (Poruba) u. a. - ins Turztal geflüchtet, wie davon noch die Alten des Ortes zu berichten wußten, weil die meisten Turzländer Grundbesitzer zum Protestantismus übergetreten waren und die in Glaubensnot geratenen Brüder und Schwestern gern aufnahmen. Diese siedelten sich in den bereits bestehenden deutschen Siedlungen Hedwig (Hadviga), Bries (Brieitie), Rauden (Rudno), Liexen (Liesno) und Käserhau (Jasenovo) an. Umgekehrt erging es den Gaidlern aus Westfalen, die zu Beginn der Reformation ihren katholischen Glauben bewahren wollten und deshalb ins Gebiet der Herrschaft des Turzer Konvents flüchteten. Zum größten Teil siedelten sie sich in St. Georg bei Kloster (Sv.Dur) an, wo heute noch ihre deutschen Familiennamen Lübke, Kirsch, Herchl, Kamesch u. a. verbreitet sind. Man muß nur die Inschriften der Grabmäler im Friedhof lesen‘ Heute ist Bries kaum zu erkennen. Viele neue Häuser sind zu sehen, und gleich hinter den Häusern breiten sich Wiesen - keine Felder! - aus. Bries dürfte wohl die einzige deutsche Gemeinde des Karpatenlandes gewesen sein. deren Einwohner 1945 nicht in Zwangslagern hungern und schwer arbeiten mußten und dann „ausgewiesen“ wurden. Beinahe alle Brieser waren daheimgeblieben und begrüßen nun jeden Besucher aus Deutschland oder Österreich in ihrer alten deutschen Mundart. Da die junge Generation aber seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges keinen deutschen Unterricht hat, spricht sie nur gebrochen die Brieser Mundart, das Hochdeutsche überhaupt nicht. Ebenso ist es in Münnichwies; aber dort sind nur wenige Deutsche geblieben. Es wäre meiner Ansicht nach wichtig, wenn die deutschen Touristen nicht nur nach Italien, Jugoslawien, Spanien und Frankreich oder nach Afrika und in den Fernen Osten, sondern auch ins Karpatenland reisen würden, um die Brücke zur Slowakei und damit zur alten Heimat und den guten, ehrlichen Slowaken nicht abzureißen, sondern zu festigen.