Ein Bericht von Walter Kuhn über Münnichwies aus dem Jahre 1931, erschienen im Karpathenland Jahrgang Nr.4. Der Bericht umfasst 10 Abschnitte die nach und nach eingebracht werden.

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Von Walter Kuhn, Bielitz

1.) Einleitung

Münnichwies (slowakische Vricko, magyarisch Turoczremete) ist das nördlichste Dorf der Deutsch-Probener Sprachinsel. Während deren innere Siedlungen im Komitate Neutra liegen, verkehrsmäßig nach Süden zu geöffnet sind und in der Stadt Deutsch-Proben ihren natürlichen Mittelpunkt finden, liegt Münnichwies außerhalb dieses Zusammenhanges im Komitate Thurtz und ist von dem benachtbarten Dorfe im Neutraer Komitate, Gaidel, durch den westöstlichen verlaufenden Kamm Revan (1205 m), Buchenkopf (1146), Rabenstein, Käuliger Berg (998) getrennt. Auch im Osten und Norden ist das Münnichwieser Tal durch hohe Gebrigszüge abgeschlossen(Nasenstein 1353, Rovne Skali 1278, Spitzhörndl 1219, Holles Pack 1193, Hohler Stein 1063). Offen ist es nur nach dem Osten, nach dem slowakischen Teil des Thurtzer Komitates und der nächsten slowakischen Siedlung Kloster (slow. Klastor pod Zniovom). Die von Proben nach Kloster führende Reichstraße, die erst in neuerer Zeit ausgeführt wurde, berührt die Dorfflur von Münnichwies nur im Osten, der Dorfkern liegt ziemlich weit von dieser Verkehrslinie talaufwärts. So ist die Verbindung von Münnichwies mit den übrigen deutschen Dörfern gering, auch in kulturellem Sinne, das Dorf ist in vielen Belangen seine eigene Wege gegangen. Am meisten Ähnlichkeit weist es wohl noch mit den südöstlich anschließenden kleinen deutschen Dörfern Hedwigshau und Brestenhau auf, die gleichfalls Randdörfer der Probener Sprachinseln im Thurtzer Komitate sind, vom Sprachinselkern durch Gebrigszüge getrennt und nach Osten zu, gegen Windisch-Proben, geöffnet. Trotzdem entspricht das Kulturbild von Münnichwies durchaus dem Gesamtcharakter der Probener Sprachinsel, seine geographische Absonderung bedingt nur eine örtliche Variante des allgemeinen Typus. Dabei ist es vielfach so, das Münnichwies die allgemeinen Züge der Probener Dörfer verschärft und ins Extrem gesteigert darstellt, vor allem auf wirtschaftlichem und seelischen Gebiete. Das muss man sich vor Augen halten, wenn man die Schilderungen des Dorfes als stellvertretend für die gesamte Haudörfer auffasst.

2.) Geschichte; Flurnamen.

Entstehungszeit und –art von Münnichwies sind urkundlich nicht belegt. Seiner Flurform nach, die ursprünglich rein waldhufendorfmäßig war, ist die Gründung in die gleiche Zeitlage anzusetzen wie bei den Dörfern der inneren Probener Sprachinsel, der besonders ungünstigen Lage des Ortes wegen wohl an das Ende dieser Periode, also um 1400. Auf den deutschen Ursprung des Ortes wiesen neben anderem auch die Flurnamen hin, die im Inneren der Gemarkung durchaus deutsch sind: Haselstein, Räubiger Berg, Herelberg, Falkenstein, Frankenriegel, Teufelstein, gebrühter Stein, Spitzrändel, Hahnerändel, Elzer Rand, Mitulschen-Rand, Kopp, Käppela, Fiebig, Hemmwald, die lange Leit, Spiegel, Barg, Kammel, Greinhübel, Fuchslöcher, Diebsgründel, nasser Grund, weiter Grund, Kirchgründl, schwarzer Grund, Fischwasser, Emtl, Hetzelpack, s´Gebrühte, Griamel, hinter der Hub, beim Standl, s´Pöschel, s´Hahnl, Hinterfeld, Paleschenwies usw. Nur einzelne Grenzberge gegen das Slowakische zu haben slowakische Namen oder einen slowakischen und einen deutschen (Nasenstein-Klak, Spitzhörndl-Cerna Stala. Der Name der Siedlung deutet auf die Gründung durch die Mönche im benachtbarten Kloster hin (früher Trinitarier, später Jesuiten), mit dem auftauchen geschichtlicher Belege erscheint Münnichwies als dem Kloster gehörig. Ob der Ort sich der reformatorischen Bewegung angeschlossen hat, wie die übrigen deutschen und slowakischen Dörfer der Gegend, ist durch geschichtliche Daten nicht belegt, aber einzelne Sagenzüge deuten darauf hin.Heute ist es durchaus katholisch. 1786 bei der Aufhebung des Jesuitenklosters durch Josef II., kam Münnichwies in den Besitz der Ofenpester Universität. Es hatte bis dahin auch kirchlich zu Kloster gehört, im Orte selbst gab es anstelle der heutigen Kirche nur eine Kapelle, die 1715 errichtet worden war. 1803 kam der erste Pfarrer hin. Die inneren Dörfer der Probener Sprachinsel gehörten seit ihrer Gründung zum Schlosse Bajmotz bei Priewitz (heute Besitzer Baron Palssy), die geographische Lagerung bedingt also von Anfang an eine verschiedene besitzmässige Zugehörigkeit und dadurch eine verschiedene Entwicklung.

3.) Bodengliederung

Für die Landwirtschaft ist die lage von Münnichwies durchaus ungünstig. Die Dorfkirche liegt 592 m hoch, der tiefste Punkt des Dorfgebietes am Vricabache ist etwa 550 m, der höchste (Nasenstein) 1353 m hoch. Die gegend ist Kalkgebiet, die Felder sind mit Gesteinstrümmern übersät. Der Talboden ist ganz schmal, knapp hinter den Häusern beginnt der steile Berghang. Um überhaupt den Feldbau zu ermöglichen, ist er stellenweise mit einem System von Terrassen überzogen.Die Menschen befestigen an ihre nach slowakischer Art gefertigten Opanken („Batschkoren“) richtige Hufeisen, um auf ihren Feldern ordentlich gehen zu können. Angebaut werden gerste, Hafer und Kartoffeln. Korn gedeiht nicht mehr. Es wurden wohl Versuche damit angestellt, aber sie sind misslungen. Auf den Hängen mit ihrer ganz dünnen Ackerkrume brennt die Sonne die Saat aus, die Ernte ist oft kaum größer als die Aussaat, nur das als Viehfutter nötige Stroh wird auf solche Art gewonnen. Die Dorfflur von Münnichwies betrug nach der ersten ungarischen landwirtschaftlichen Betriebszählung von 1895*) 5294 Joch. Davon war nicht einmal ein Vietel, 1213 Joch Ackerland, 3 Joch Hausgärten und 532 Joch Wiesen, zusammen also 1748 Joch, das ist gerade ein Drittel, landwirtschaftlich voll ausgenützter Boden. 1654 Joch oder 31 % waren Hutweiden auf den bergrücken, 1719 oder 32,5 % Wald und 173 Joch oder 3 % unproduktiver Boden, zumeist Fels. Von den Hutweiden und dem Walde gehört das Meiste zum Großgrundbesitzer der Pester Universität. Die Aufnahmen von 1909 zeigt in dieser Bodengliederung keine belangreiche Änderungen. Ihre Angaben über die Verteilung der einzelenen Bodenarten nach Bonitierungsklassen aber machen die Armut der Münnichwieser noch weit deutlicher. Die Zahlen sind in Tabelle 1 zusammengestellt und zum Vergleich auch für das slowakische Nachbardorf Kloster angegeben das einzige, mit dem die Münnichwieser näher in Berührung kommen und das für sie die slowakische Umgebung schlechthin verkörpert. Münnichwies sowohl wie Kloster gehören zum dritten, letzten Schätungsbezirk der Dörfer des Thurtzer Komitates, worin ihre hohe und klimatisch ungünstige Lage zum Ausdruck kommt. Gesamtareal und Nutzungsart des Bodens sind in beiden Orten ähnlich, nur das in Kloster der wald auf Kosten der Hutweiden stärker hervortritt. In der Gliederung des nutzbaren Landes nach Gütegruppen aber zeigt sich ein krasser Unterschied. Münnichwies besitzt überhaupt keinen Acker der vier besseren Klassen, über zwei Drittel aber volle 68 %, gehören der letzten, schlechetn Bodenklasse an. Diese ist in Kloster gar nicht vertreten, dafür umfassen die vier besten Klassen hier 678 Joch oder 37 % des Ackerlandes. Ähnlich, wenn auch nicht so krass, sind die Unterschiede bei Wissen und Hutweiden. Gärten kommen in Münnichwies überhaupt nicht vor. Der durchschnittlcihe jährlichen Steuerertrag von einem Joch Ackerlandes betrug 1909 Münnichwies 83 Heller, gegenüber durchschnittlich 5 Kronen 90 Heller in den slowakischen teilen des Thurtzer Komitatets, also nicht einmal ein Siebentel!**)

ungarische Statistische Mitteilungen, Neue Folge Band 15 Turocz vármegye.. usw. a.a.D.

4.) Erbrecht und Flurnamen; Familiennamen.

Die Not wird vergrößert durch die weitgehende Zersplitterung des Grundbesitzes, die durch die unbeschränkte Erbteilung gegeben ist. Es ist ja vielfach so, daß in Verhältnissen, wo die Landwirtschaft allein ein Auskommen ohnehin nicht ermöglicht, am eher zur Teilung schreitet als in rein bäuerlichen Gegenden. Heute ist in Münnichwies die Flurverfassung folgende: die alten Waldhufen bestehen fort in „Gründen“, die heute je eine zusammenhängende Gruppe von Häusern am Bache mit den Dazugehörigen, dahinter den Hang hinaufsteigenden Feldern darstellen. Ein Grund hat vier „Viertel“ zu je 16 Joch, zusammen als 64 Joch. Es gibt 18 Gründe, sie haben alle ihren besonderen Namen, der in den meisten Fällen auf den ursprünglichen Besitzer hinweist. Am Norduferdes Vricabaches sind es 12, von Osten nach Westen: Temeschinken-Grund, der Rak-oder Krebsgrund, der Hanusrichter-Grund, der Povraznik-Grund, der Iekszimmermann-oder Kostolnik-Grund (liegt gegenüber der Kirche), der Tomaschen-Grund, Palatschka-Grund, Turzer-, Mecko-, Kusman-, Schimko-Grund und der Debnar- oder Jukadiera-Grund. Am Südufer sind bloß sechs von Westen nach Osten: Mazanec-Grund, erster Kleinhäusler-Grund, Pischni-Grund, Gaschpar-Grund, Skulteti-Grund und zweiter Kleinhäusler-Grund. Die Familiennamen stimmen vielfach mit denen der Gründe überein, die vielen Personen gleichen Namens werden durch Zusätze unterschieden. Bei der verzweigung der Familien werden immer neue Namen angehängt. So gibt es z. B. einen Debnar-Kreml-Balaton-Rabele, einen Debnar-Kreml-Lazapala, Debnar-Kreml-Laza-Seff, Debnar-Kreml-Knetel, Debnar-Kreml-Daumela; weiters Debnar-Kadelmacher, heute Debnar-Nala genannt, Debnar-Benpta, Debnar-Balzer, Debnar-Dolinski-Schnak, Debnar-Dolinski-Hanoschel, Debnar-Dolinski-Schelma, Debnar-Spitzka oder Debnar-Gusta usw. Die Namen stehen auc so in den Kirchenbüchern und werden den Behörden gegenüber verwendet, die normale Zweinamigkeit würde zur sicheren Unterscheidung der Leute nicht ausreichen. Die Namen der gründe sind unter den Familiennamen am zahlreichsten vertreten, die andersartigen Namen sind seltener und dürften erst später in das Dorf gedrungen sein. Früher, bis in die Neuziger-Jahre des vorigen Jahrhunderts, haftete der Name fest auf dem Grunde. Wenn ein Mann in einen fremden Grund einheiratete, nahm er den Namen seiner Frau an, also den des Grundes, auf dem er nun lebte. Die kirchlichen Aufzeichnungen folgten diesen Änderungen, erst in de Achtziger-Jahren legte ein deutscher Priester das Familienbuch der Gemeinde an und erst seitdem kam Stetigkeit in die amtliche Namensgebung. Wir haben also in Münnichwies den ganz außerordentlichen Fall, daß das Festwerden der Familiennamen, das im übrigen Deutschland schon im Mittelalter erfolgte, in der vom Mutterlande abgeschnittenen Sprachinsel erst in der letzten Vergangenheit vor sich ging. Heute überträgt ein Mann, der auf einen fremden Grund zieht, seinen Familiennamen dorthin, die Übereinstimmung von Grund- und Familiennamen wird also allmhlich zerstört. Immerhin ist sie heute noch recht groß. Den starken Anteil slowakischen Namensgutes bei den Grund-und Personennamen erklärt die Ortsüberlieferung aus der Einwirkung der slowakischen Mönche in Kloster, denen die Deutschen hörig waren. Die Abgaben an den Pfarrer werden nach Gründen gezahlt. Alle diese Tatsachen erweisen die Gründe als die urspünglichen wirtschaftlichen Einheiten. Ihr Flächenausmaß ist zusammen kleiner als das heutige Nutzland des Dorfes. Der Unterschied wird wohl durch spätere Rodungen zu erklären sein. Infolge der Verschiedenheit des Bodens und wohl auch nach dem Beispiel der slawischen Nachbarschaft erfolgt die Teilung nach dem gewannsystem: Nicht die Hufe als einheitliches Ganzes wird durch eine einfache Grenzlinie geteilt, sondern jede durch die Bodenart gegebene Parzelle im besonderen. Die Häuser wurden alle am unteren Ende der Hufe hingestellt, dem einzigen ebenen Stück der gemarkung. Dort drängen sie sich heute zusammen, mit der Giebelseite gegen die Straße gestellt, fast Traufe an Traufe und oft mehrere hintereinander. Zunächst lagen sämtliche Parzellen eines Besitzes natürlich im gleichen Grunde, durch erbgang und Kauf wurde auch das geändert, so daß Stückchen einer Wirtschafft heute über das ganze Dorf verstreut sind. Die Teilung wird stets in der gleichen Art fortgesetzt, „und wenn eine Wirtschaft aus 30 Parzellen besteht, so wird jede besonders geteilt, der Ungleichheit des Bodens wegen“.Daher beträgt die Zahl der Parzellen 1909 schon 39831 durchschnittlich 92,5 auf einen Besitzer (gegenüber 13 je Besitzer im slowakischen Teil des Thurtzer Komitates) und manche sind nur wenige Quadratmeter groß. Eine Felderkoppelung wäre danach eine dringende Notwendigkeit, aber sie liegt dem Denken der Münnichwieser fern. Zwei der Gründe heißen „Kleinhäuslergründe“. Die dort Wohnenden werden Kleinhäusler genannt und haben im Dorfe etwas geringeres Ansehen als die übrigen Bewohner, obwohl sie sich heute im Besitz von ihnen nicht unterscheiden. Wahrscheinlich wurden hier schon bei der Anlage des Dorfes Häusler angesetzt oder diese beiden Gründe wurden schon zu einer Zeit parzelliet, wo sich die anderen ihren unversehrten Zustand noch bewahrt hatten. Die dadurch bedingte soziale Wertung wirkt in Resten heute noch nach, obwohl sie den tatsächlichen Verhältnissen durchaus nicht mehr entspricht. Sonst gibt es in der Gegenwart keinerlei soziale Gliederung, alle gehören dem gleichen Stande der bitteren Armut an. Bei der Volkszählung 1919 waren von 405 Wirtschaften 391 oder 96,5 % unter 10 Joch, die anderen jedenfalls nur wenig darüber. Heute umfaßt nach Angaben des Pfarrers, dem ich überhaupt viele Mitteilungen über die soziale Verhältnisse verdanke, die größte Wirtschaft 8 Joch. Um die Teilung solange als möglich hinauszuschieben, bleiben die erwachsenen und verheirateten Söhne im hause des Vaters und wirtschaften unter seiner Leitung gemeinsam, erst nach seinem Tode wird geteilt. Ein Ausgedinge nach den strengen rechtlichen Normen wie in den Gebieten mit Anerbrecht gibt es nicht, was sollte sich der Vater auch von der allgemeinen Armut vorbehalten! Er arbeitet solange er die Hände rühren kann, und bekommt dann das Gnadenbrot. Früher blieben die Geschwister trotz Teilung der Felder vielfach im gleichen Hause wohnen. In der großen Rauchstube hatte dann jede Familie ihren eigenen Tisch und ihren eigenen Kochplatz am Herde, weiterhin im Hause eine eigene Kammer. Der Pfarrer berichte, wie er einmal ein Ehepaar gefragt habe, aus welchen Häusern sie zusammengeheiratet hätten und die Antwort lautete: „Aus dieser Ecke der Stube in jene“ Und wo habt Ihr Euch kennen gelernt ? „In der Mitte.“ Heute ist mit dem auch auf dem Dorfe zunehmenden Individualismus ein solches Zusammenleben eine seltene Ausnahme geworden, die Leute „bauen sich auseinander“. Die Häuser haben vielfach noch einen gemeinsamen Dachfirst, aber die Räume sind getrennt, jede Familie hat ihre eigene Küche, eine nunmehr kleinere Stube und eine Kammer. Die Volkszählung von 1880 weist bei einer Einwohnerzahl von 1674 nur164 Häuser auf, die von 1890 gar nur 140. Wenn diese Zahlen genau sind, so deuten sie auf die starke Entwicklung der Familiengemeinschaft in dieser Zeit hin. Das Hinaufschnellen auf 335 Häsuer bei der Zählung 1900 wo es immer noch erst 2084 Menschen gab, ist allerdings befremdend groß und scheint anzudeuten, daß die Grundlage der Häuserzählung sich verschoben habe. 1921 entsprechend den 374 Häusern 379 Wohnparteien und 1969 Menschen, die Sonderung der Haushalte ist also vollzogen.

5.) Landwirtschaftsbetrieb

Die übermäßige Kleinheit der Wirtschaften, die geringe Größe und die ungünstige Lage der Feldstücke an den Hängen machen eine landwirtschaftliche Betriebsführung in den anderweits üblichen Formen unmöglich. Pferde werden beim Ackerbau überhaupt nicht verwendet. Nur das Geschäft hat welche, und wenn jemand ein Haus bauen will, kauft er sich im Frühjahr ein Paar Pferde und verkauft sie im Herbst wieder. Bei der landwirtschaftlichen Zählung von 1895 gab es im ganzen Orte 9 Pferde und heute sind es auch nicht mehr. Auch Ochsen gab es nur 10, Stier 5 und 542 Kühe auf eine Wirtschaft also nur 1-2 . Ubter den „Gespannen“ aber waren nur 3 mit je einem Pferde und 9 mit Kühen angegeben, eines mit zwei Pferden, keines mit Ochsen. Auch heute haben die meisten Wirtschaften nur ein Kuh, wenige zwei, keine einzige drei. Die Kühe werden mit Zugarbeit verschont, damit sie ordentlich Milch geben. So gibt es im Dorfe fast gar keine Fuhrwerke. Die Ernte wird nicht eingefahren, sonder eingetragen, von den Menschen selbst auf dem Rücken. Auch der Dünger wird so auf die Felder geschafft, und die fruchtbare Erde die ein Unwetter herabgeschwemmt hat. Das Heu wird überhaupt nicht mehr nach Fuhren, sondern nach Bürden gerechnet. Das Gras für die Kühe wird von den entlegensten Stellen der Berge geholt, wo es zwischen den Felsen nicht einmal mit der Sichel geschnitten werden kann, sondern mit den Händen gepflückt werden muß. Das meiste wird auf dem Gebiete der Herrschaft „gestohlen“, der die Wälder ringsum gehören und die gerne ein Auge zudrückt, da sie selbst doch keinen Nutzen von dem Grase hätte. Den ganzen Tag arbeiten die Münnichwieser Frauen oft, eine solche Bürde zusammenzubekommen, die sie dann stundenweit heimtragen. Viele Parzellen sind so klein und steil, daß Pflug und Egge auf ihnen gar nicht verwendet werden können. Sie werden mit dem Spaten umgegraben und die Saat verscharrt. Es gibt überhaupt nicht viele Pflüge im Orte und wo sie verwendet werden, ziehen sie die Menschen selbst. Vorne ist ein Strick mit Querhölzern befestigt, zwei Paar Männer oder drei Paar Frauen spannen sich vor. Mit Sensen kann nur an wenigen Teilen der Flur gemäht werden, vor allem in den Gärten am Rande des baches. Sonst ist die Sichel in Verwendung, aber manchmal liegt auf den steilen Hängen die Halmfrucht so darnieder, daß sie mit den Händen gepflückt werden muß. Vom April bis in den September wird das Vieh draußen auf den Hutweiden gehütet. Besondere Hirten gibt es nicht, wie überhaupt niemand im Dorfe imstande ist sich Gesinde zu halten. Auf einer Weide sind 25-30 Kühe beisammen, über Nacht in einer Hürde eingeschlossen. Der Reihe nach muß jeder Wirt, der seine Kuh dabei hat, einen Tag hinausgehen, das Vieh herauslassen und hüten. Das ist in dem selbigen Gelände, wo die Kühe zwischen den Steinen ausgleiten, keine leichte Arbeit. Die Schafzucht, früher nach slowakischer Methode betrieben, ist im Rückgang begriffen. 1895 wurden noch 1928 Schafe gezählt. Heute gibt es nun mehr 30 „Schäfler“ unter den Wirten, die je 20-40 Schafe halten. Der Flachsbau dagegen ist bedeutend. Oberhalb des Dorfes liegt am Bache eine Reihe von Flachs-Wassergruben, bei denen der Flachs geröstet wird. In jeder Wirtschaft wird gesponnen und gewebt.

6.) Nebenverdienste

Die Landwirtschaft vermag unter solchen Umständen das Auskommen natürlich nicht zu ermöglichen, kein einiziger der Münnichwieser Wirte lebt von ohr allein. Zu Nebenverdienst ist im Orte selbst wenig gelegenheit vorhanden, früher gab es wohl einen Kurs für Korbflechterei und Blumenmachen, doch ist davon nichts hängen geblieben. Etwas wird Holzarbeit betrieben, die landwirtschaftlichen Geräte stellen sie sich alle selbst her, Schlitten werden auch in die Umgebung verkauft. Wesentlich aber sind nur die Verdienstmöglichkeiten außerhalb des Ortes. Eine Art davon, von der noch Schröer um 1870 berichtet, ist heute wohl gänzlich ausgestorben: der handle mit Wurzeln und Kräutern, mit Enzian, isländischem Moos usw., die sie in ihren Heimatbergen sammelten und dann im Hausierhandel verkauften. „Sie wandern weit im Lande umher. Der Stuhlrichter von Kloster erzählte mir 1858, er habe einen Brief gesehen, der aus Belgien kam und an einen Münnichwieser Insassen adressiert war, und zwar mit dem Titel Doktor. Ich selbst erfuhr in Münnichwies, daß einer mich in ärtzliche Behandlung nehmen wollte. Er fand, ich sei zu mager und müsse Tee aus isländischen Moos trinken, da es mir in der Brust fehlen müsse. Die Münnichwieser erinnern in der Mundart an die Schlesier des Riesengebirges in ihrer heilkundlichen Richtung aber besonders an die schlesischen Aberanten oder Laboranten, jene Naturapotheker und Quacksalber aus den Dörfern in Schlesien.“ Heute steht an erster Stelle die landwirtschaftliche Saisonarbeit. Sie war früher nach Ungarn gerichtet, gegenwärtig hauptsächlich nach Deutschland und Deutschböhmen. merkwürdigerweise sind an ihr die Männer weniger beteiligt, sehr stark dagegen die unverheirateten Mädchen von 16 Jahren an. Im Sommer sind sie alle draußen, sie verdienen sich je 4000 – 5000 Kronen. Die Männer versuchen sich in allen möglichen Arbeiten, sie sind Maurer, Asphaltierer und vor allem Betonarbeiter. Als solche gingen sie früher ebenfalls nach Deutschalnd, heute kommen sie der dort herrschenden Arbeitslosigkeit wegen keine Einreiseerlaubnis mehr. So arbeitem sie in der näheren Umgebung, in Preßburg, St. Martin, Sillein, Rosenberg, Trzniec usw. Während der Ernte gehen sie auf Schnitt und Drusch ins Slowakische. Im Winter aber sind sie alle daheim. Handwerker gibt es kaum im Dorfe. Von en zwei Wagnern arbeitet einer nur im Winter, während des Sommers ist er wie die anderen draußen als Arbeiter. Schuster und Schneider gibt es keine. Nach der Volkszählung von 1910, die als letzte die gewerblichen Verhältnisse gemeindeweise erfaßte, gehörten von den 2052 Menschen 1965 oder 95,8 % der Landwirtschaft an, 36 oder 1,8 % dem Gewerbe und der Industrie, 2 dem Handel, 14 dem öffentlichen Dienst und freien Berufen, die übrigen 35 dem Forstwesen, der Wehrmacht usw. Diese Statistik zeigt, das sich alle die Männer, die von ihrem Feld nur einen geringen Teil ihres Lebensunterhaltes bestreiten können, und die ihren Hauptverdienst draußen in verschiedenen industriellen Beschäftigungen finde, dennoch dem Bauerntum zugehörig fühlen. Sogar einen Nebenberuf neben der Landwirtschaft hatten nur 25 Männer angegeben. Bezeichnend dagegend ist sie hohe Zahl der Arbeiter (257) unter den Angegörigen der Landwirtschaft. Dabei entsprechen unter ihnen 187 Erwerbstätigen nur 60 Erhaltene, während bei der Landwirtschaft insgesamt auf 924 Erwerbstätige 1041 Erhaltene entfallen. Bei den „landwirtschaftlichen Arbeitern“ handelt es sich eben in ertser Linie um die jungen Mädchen. Landwirtschftliche Dienstbote weist die Statistik überhaupt keine aus.

8.) Charakter

Das Primitive im Charakter der Münnichwieser ist schon den früherern Beobachtern aufgefallen. Bel schildert sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als außerordentlich fleißig, aber von großer Rauheit der Sitten. 1864 berichtet Schröer von ihnen, sie seien „in allen religiösen und sittlichen Begriffen vollkommen verwildert. Treu undgutmütig sind sie noch immer, grundehrlich, aber ihr ganzes Wesen macht den Eindruck eines auf der Kindheitsstufe zurückgebliebenen Stammes wie etwa die Wilden auf den Freundschaftsinseln... So waren sie denn so verschüchtert, daß sie vor städtisch gekleideten Personen auf die Knie fielen, wenn sie um etwas baten, daß sie ihnen die Wangen streichelten und sie küssen wollten.... Ihre geistige geistige Begabnung, das Talent zur Selbstverwaltung, daß sich in ihrem Gemeindeleben zeigt, ihr außerordentlicher Fleiß, ihre Besonnenheit und Biederheit weisen auf die großen Eigenschaften ihres Stammes hin, wenn sie auch kaum mehr wissen, daß sie Deutsche sind.“ Diese Schilderung ist offensichtlich zu kraß und romantisch gefärbt. Aber von einfachre Denkungart sind die Münnichwieser auch heute noch, die Berührung mit der großen Welt draußen, die ihnen ihre Saisonarbeit bringt, kann daran nichts ändern. Nach dem Umsturz hat die Arbeit politischer Sendlinge wohl einen großen Teil für die kommunistische Partei zu gewinnen vermocht, was bei der wirtschaftlichen Lage ja einigermaßen erklärlich ist, aber dieser Kommunismus ist kaum hauttief eingedrungen. Im Wesen sind sie fromme katholische Christen und die Kirche ist an jedem Sonntag bis zum letzten Plätzchen gefüllt Die allgemeine Neigung des Bauern über seine Lage zu klagen und sie in den schwärzesten Farben auszumalen, ein Überbleibsel aus den Jahrhunderten der Leibeigenschaft, ist in Münnichwies, wo ja diesbezügöich Stoff in reicher Fülle gegeben ist, besonders entwickelt. „Die Welt ist groß und breit, aber so traurig ist es nirgendswo wie auf Vricko. Anderswo haben sie Felder und Pferde und Ochsen, hier haben sie nichts. Wir sind hier geschlagene undgebrochene Leute.“ Aber auch das sitzt nur an der Oberfläche. Keiner würde das Dorf verlassen, das sie auf solche Art schildern, mit einem anderen Flecken der Erde vertauschen, und im Winter, in der Hochzeit- und Faschingszeit, wo die Last der überschweren Arbeit von ihnen genommen ist, bricht die innere Fröhlichkeit wieder durch. Die Arbeitskraft der Münnichwieser ist eine außerordentliche. Was die Frauen beim Einbringen der Ernte in Bürden, beim Ziehen der Pflüge und beim Grasschleppen leisten, geht weit über das normale Bauernmaß hinaus, und übertrifft vor allem die Slowaken in der Nachbarschaft. Nach der Entbindung schonen sich die Frauen nur ganz kurze Zeit, am dritten Tage kommen sie schon zur Einleitung (Einsegnung), dann beginnt die häusliche Arbeit wieder und nach längstens einer Woche auch die auf dem Felde. Ihre Armut zwingt sie zu äußerter Sparsamkeit, ihnen tut es um jeden Groschen leid, und in den Wallfahrtsorten der Umgebung (Friwald und Herrengrund) ist es schon bekannt, daß die Slowaken Kronen opfern, die Deutschen aber in Hellern. Die Bildungsverhältnisse in Münnichwies sind ungemein schlecht. 1880 konnten nur 29 Menschen oder 7,7 % der Einwohner lesen und schreiben, 1900 551 oder 26,8 % und 1910 immer noch erste 833 oder 40,6 %, gegenüber 61,2 % im ganzen Bezirk Bad Stuben und 68 % in dessen slowakischen Teile.

9.) Volkskundliches

Die einzelnen volkskundlichen Gebiete können in diesem Zusammenhang nur kurz gestreift werden. Der Reichtum an Sagen ist groß, besondere, den Nachbardörfern fremde Gestalten sind das Rote Männl und die Wiederkehrenden Toten in der Gestalt der Jesuiten, die vielfach zugleich als schatzsuchende „Benediger“ auftreten. Unter den Liedern ist vor allem die stark vertretene Gruppe der geistlichen Ballade (der „Wochentagslieder“ ) bedeutsam, die wertvollstes altesLiedgut darstellt. Sie werden freilich nur noch von den älteren Leuten gesungen. Das Gebrauchsliedergut der Jugend war vor dem Kriege stark mit slowakischen und magyarischen Liedern durchsetzt, ohne daß freilich der Text der letzteren ordentlich verstanden worden wäre. Heute wird slowakisch gesungen, so, wenn die Burschen in der Nacht durch die Dorfstraße ziehen. Die Sommerarbeit in den Sudetenländer und im Deutschen Reiche aber bringt nun auch neueres deutsches Liedgut in die Sprachinsel. Die Totenklage, die früher in allen deutschen Dörfern der Sprachinsel üblich war und für die Kremnitzer, Probener und Hochwieser Gruppe belegt ist, hat sich in Münnichwies am reinsten erhalten. Der Schwerttanz ist dagegen gerade verschwunden, während er in der übrigen Sprachinsel noch in mannigfaltigen Formen vorkommt. Die Tracht weist hochaltertümliche Züge auf, so tragen die Frauen teilweise noch statt des Rockes zwei breite Schürzen, die eine rückwärts, die andere von vorn. Die Häuser sind fast durchwegs von Holz gebaut. 1900 gab es unter 335 nur 11 in Stein oder Ziegel und 1910 waren es noch nicht mehr. In der slowakischen Nachbarschaft ist der Massivbau dagegen schon herrschend geworden. In Kloster waren 1910 inter 156 Häusern 137 gemauert und nur noch 12 ganz aus Holz. Ebenso sind die Slowaken den Deutschen in der Ersetzung des Schindeldaches durch das Ziegeldach voraus. 1910 waren in Kloster 23 Häuser feuersicher eingedeckt, in Münnichwies nur fünf unter einer mehr als doppelt so großen Gesamtzahl. Die modernen Baumethoden dringen also hier von den Slowaken zu den Deutschen, diese haben die ursprüngliche Art besser bewahrt. Auch Rauchstuben finden sich noch in Münnichwies, große Räume, dem früheren Zusammenleben mehrerer Familien entsprechend, deren jede daneben nur noch jeweils eine eigene Kammer besaß. Der Rauchherd ist heute meist durch Daranfügung eines oder meherer Sparherde den neueren Anforderungen angepasst, und nur wenn Brot gebacken wird, ist die Stube wirklich noch „Rauchstube“ Im äußeren Eindruck entspricht das Münnichwieser Haus völlig dem der slowakischen Gebirgsdörfer, wie z.B. Friwald mit Blockbau, steilen Brettergiebel mit Flugdach und dem halbkegelförmigen Giebeldächlein, der in Münnichwies „Türmel“ genannt wird. Eines dem andern genau gleich stehen sie nebeneinander in kurzen Abständen, das ehemalige deutsche Waldhufendorf macht heute ganz den Eindruck eines slawischen Haufendorfes. Im Hausrat entspricht viel den Zuständen bei den benachbarten Slowaken: die geringe Zahl der Möbel, die Form des Webstuhls, die Wiege aus drei zusammnegestellten Stangen, an deren zwei ein Tragtuch angebunden ist, und manches andere. Doch ist dabei nicht immer auf Entlehnung von den Slowaken zu schließen, es kann sich auch um Bewahrung älterer, früher im deutschen wie slawischen Volksgebiet herrschender Form handeln.

10.) Nationale Verhältnisse

Die bisherigen Bschnitte ergeben, daß die Verhältnisse der Münnichwieser gegenüber denen der benachbarten Slowaken ärmlich und primitiv sind. Die Deutschen haben weniger und schlechteres Feld, weniger Vieh, sind weniger ausschließlih Kandwirte. Sie haben höhere Geburten-, Sterbe- und Geburtenüberschiußziffern und einen viel größeren Hundertsatz Analphabeten. In vielen Dingen der materiellen Kultur sind die Slowaken die Lehrmeister. Gerade bei den Slowaken des Thurtzer Komitates, die zum größeren Teil evangelisch sind, handelt es sich um den fortgeschrittensten Teil des slowakischen Volkes. Aus ihrer Mundart wurde die slowakische Schriftsprache entwickelt. In Thurtzer St. Martin war das Zentrum der slowakischen Freiheitsbewegung und ist heute das slowakische Nationalmuseum. Unter diesen Umständen kann von einem Überlegensheitsgefühl der Deutschen, wie es sonst in den deutschen Sprachinseln die Regel ist, nicht die Rede sein, das normale Verhältnis von Sprachinsel und Umwelt ist hier gerade in sein Gegenteil verkehrt. Die deutschen Münnichwieser haben überhaupt kein Gesinde, weder deutsche noch slowakische, deutsche Schulkinder von 11 oder 12 Jahren aber gehen als Schafhirten in den Dienst slowakischen Bauern. Der seelische Abstand zwischen Deutschen und Slowaken erscheint so auf ein geringes zusammengeschrumpft, er vermag der Sprachinsel keinen Halt in nationaler Beziehung mehr zu gewähren. Umso stärker aber wirkt die natürliche geographische Schutzlage. Das arme Dorf mit seiner übergroßen Besiedlungsdichte kann keinen Fremden anlocken, es zeigt im Gegenteil einen Bevölkerungsüberdruck, der zu einem Abströmen in die Nachbarschaft führt. Mischehen kommen auch vor. Aber ihre Vermeidung ist hier nicht wie in jungen Sprachinseln in dem meschlichen Abstand beider Bevölkerungsteile begründet, sondern sie ist einfach eine Sonderform der dörflichen Inzucht, der Erstreckung der Ehegemeinschaft nur auf das eigene Dorf. Mit den benachbarten Deutschen in gaidel, Brestenhau und Hedwigshau werden ebenso wenig Ehen geschlossen wie mit den Slowaken in Kloster. So ist Münnichwies heute noch rein deutsch. 1880 zähltem es 97 % Deutscher, 1910 98,3 %und bei der tschechischen Zählung 1921 sogar 98,6 %. Nicht einmal die Kenntnis der slowakischen Sprache ist allgemein. In der Zeit von 1880 war die Kirchensprache slowakisch, in dieser Sprache wurde gepredigt, gesungen und gebetet. 1873 schilderte Schröer die Lage folgendermaßen: „Der Ort gehört dem Studienfond, und doch haben sich die Armen zu beklagen, daß sie seit 80 Jahren ihre Kinder in die slawische Volkschule des benachbarten Ortes (Kloster) schicken müssen, wo der Lehrer kein Wort deutsch zu ihnen spricht. Der Unterricht geht für sie dadurch fast ganz verloren, denn sie lernen ihre Muttersprache weder lesen noch schreiben. Slowakisch erlernen die Männer wohl im Verkehr, die Mädchen erlernen es gar nicht. Was sie lernen, das ist die slawische Beichtformel und die slawische Gebete, die sie nicht verstehen: selbst der Pfarrer ihres Ortes verkehrt mit ihnen nur slawisch, betet und predigt slawisch.“ Die geschlossene Dorfgemeinschaft die feste Tradition des Ortes haben diese Slawisierungsperiode leicht und fast ohne Spuren übertaucht, nur von den älteren Leuten beten einzelne heute noch slowakisch. Der deutsche Charakter des Ortes wurde nicht angetastet. Diese Unangreifbarkeit aber findet ihr Ende, wo die natürliche Schutzlage zu wirken aufhört. Das ist der Fall bei den in Kloste eingesiedlten Münnichwiesern. Hier leben sie mittem unter den Slowaken, lernen leicht slowakisch, und dies wird bei ihnen allmählich die Umgangssprache. Leute von 20, 30 Jahren sprechen sogar schon slowakisch, wenn sie nach Münnichwies kommen und unter den bereits in Kloster geborenen Kinder herangewachsen und die slowakische Schule besuchen müssen, gibt es schon solche, die gar nicht mehr deutsch können. Dabei halten sich die wenigen Oberstubener Familien besser als die Münnichwieser. Es ist möglich, daß bei Anhalten der deutschen Einwanderung nach Kloster die Verhältnisse sich bessern werden, entscheidend könnte die Gründung einer deutschen Schule werden, welche die Deutschen anstreben. Die Tatsache aber bleibt bestehn, daß die Münnichwieser Deutschen außerhalb ihres Dorfes eine geringe nationale Widerstandskraft zeigen. In der letzten Zeit der ungarischen Herrschaft war die Dorfschule magyarisch. Ihr Erfolg war ein recht geringer. 1900 konnten erst 61 oder 2,9 % der Einwohner magyarisch sprechen, 1910 265 oder 12,9 %. Dabei wirkte im gleichen Sinne wie die Volksschule der Militärdienst. Von einer geistigen Magyarisierung wie etwa in der Zips gibt es in Münnichwies keine Spur. Denn dies ist ein Vorgang im Bereich der höheren, städtischen Kultur, in Münnichwies fehlte ihr jede Angriffsmöglichkeit. Der Umsturz hat dann die Schule deutsch gemacht. Die Klassenzahl ist im Steigen, da die Kriegsjahrgänge der Shculkinder nunmehr durch die nach dem Kriege Geborenen abgelöst werden und die hohe Geburtenziffer von Münnichwies dabei wieder voll zur Geltung kommt. Der Schuldirektor ist wohl Slowake, als Lehrer aber wirken teilweise junge Sudetendeutsche, die zum erstenmale ein völkisch bewußte Intelligenzschicht in der Sprachinsel darstellen. Durch sie bekommt das Dorf in nationaler Hinsicht allmählich ein anderes Gesicht. Nach dem Umsturz hatte in politischer Beziehung zunächst völlige Hilfs – und Ratlosigkeit geherrscht. Neben den Kommunisten gewann auch die slowakische Agrarpartei Stimmen, sogar für die jüdische Listen wurden Stimmen abgegeben, obwohl es im Dorfe keine Juden gibt. Bei den letzten Geneinderatswahlen von 1929 aber überwogen bereits die deutschen Stimmen.